Radio SWR berichtet über Mikrourlaub
Kleine Auszeiten gegen den großen Stress
Radio SWR: Mehr "Me Time": Weniger Stress durch Mikrourlaube
Der Trend zur sogenannten „Me Time“ gewinnt an Bedeutung. Dahinter steckt die Idee, bewusst mehr Zeit für Erholung und Selbstfürsorge einzuplanen – alleine in der Natur, bei einem kleinen Treffen mit Freundinnen und Freunden oder in Form kurzer Pausen im eigenen Alltag. Was zunächst simpel klingt, kann eine wirksame Strategie gegen die zunehmende Belastung sein, die viele Menschen im beruflichen und privaten Umfeld erleben.
Der Podcaster Alexander Metzler aus Ober-Olm bei Mainz beschäftigt sich in seinem Podcast „Heldenstunde“ intensiv mit diesem Thema. Für ihn steckt hinter dem Begriff „Held“ kein dramatischer Auftritt, sondern die Fähigkeit, sich um die eigene körperliche und mentale Gesundheit zu kümmern. Genau diese Fähigkeit komme im Rhythmus aus Terminen, Erwartungen und Verpflichtungen oft zu kurz.
Metzler berichtet von seiner persönlichen Erfahrung: Als selbstständiger „Berufsjongleur“ war er an viele unterschiedliche Aufgaben gewöhnt. Doch ein zusätzlicher Schichtbetrieb brachte seinen Tagesrhythmus aus dem Gleichgewicht. Langes Ausschlafen, Arbeiten bis spät in die Nacht, wenig soziale Kontakte und eine vernachlässigte Ernährung führten zu spürbarer Erschöpfung. Nach einer langen Phase der Unsicherheit folgte schließlich die Diagnose: schwere Depression. Die zentrale Frage: Wie damit umgehen?
Für Menschen, die nicht akut erkrankt sind, aber den täglichen Stress spüren, empfiehlt Metzler kleine Interventionen, um gegen Überlastung vorzubeugen. Er spricht dabei von „Mikrourlauben“ – kurzen, bewussten Pausen im Arbeitsalltag. Das kann so einfach sein wie fünf Minuten vor die Tür zu gehen, sich zu bewegen oder kurz ins Grüne zu schauen. Selbst ein einziger, bewusster Atemzug kann helfen, den Fokus zu verändern.
Solche Mikroauszeiten wirken auf zwei Ebenen: Zum einen lenken sie Energie von Gedanken ab, die sich häufig um zukünftige Sorgen oder vergangene Probleme drehen. Zum anderen sprechen sie das vegetative Nervensystem an, das eine zentrale Rolle bei der Regulation von Stress spielt. Die Folge: Der Körper kommt zur Ruhe, das Gedankenkarussell verlangsamt sich.
Diese Maßnahmen ersetzen natürlich keine professionelle Behandlung im Krankheitsfall. Aber sie bieten niedrigschwellige Möglichkeiten, im Alltag eine gesündere Balance zu finden. Gerade in einer Zeit, in der ständige Erreichbarkeit selbstverständlich geworden ist, können kleine bewusste Momente ein wertvoller Beitrag zur eigenen Widerstandsfähigkeit sein.
Mehr „Me Time“ bedeutet deshalb nicht Egoismus, sondern Selbstfürsorge – und kann ein wichtiger Schritt sein, den eigenen Alltag nachhaltig zu entlasten.